Leseproben

Vorwort

“ In nahezu jedem Unternehmen gibt es sie. Männer, die in Wahrheit nicht erwachsen geworden sind. Das ist zunächst mal gar kein Vorwurf. Die meisten werden eben schon von klein auf erzogen, „dass ein echter Indianer keinen Schmerz kennt“, dass es „Weiberkram ist, Gefühle zu zeigen und in sich hineinzuhören.“ Und viele Papas sagen ihrem Sohnemann auch ständig, dass sie von ihnen erwarten, „mindestens die Erde, wenn nicht sogar das Universum zu retten.“ Niemand bringt den kleinen Jungen bei, was es wirklich heißt, ein reifer, erwachsener Mann zu werden.

Das sind die besten Voraussetzungen, um nur das Leben von Papa zu leben, aber nicht das eigene Leben“

 

Der Bahnübergang

„Es ist Sonntag, der 16. März 2014. Alles in mir im Kopf rast, er zerspringt mir fast. Ich bin total angespannt, die feuchten Hände zittern am Lenk-rad. Ich habe mich absichtlich nicht angeschnallt. Der quäkende Warnton dringt zwar an mein Ohr, aber ich bin so abgestumpft, dass er mich nicht stört. Für mein Vorhaben brauche ich die Sicher-heitsgurte nicht. Kalter Schweiß auf der Stirn, meine Gedanken fahren Achterbahn und drehen sich im Kreis. „Du hast keine Chance mehr, das Leben macht keinen Sinn mehr. Beende es.“ So oder ähnlich geht es mir schon seit Tagen durch den Kopf. Mein Hals ist trocken, ich spüre eine Enge auf der Brust. Keinen blassen Schimmer, wie ich in dem Zustand meinen Peugeot 407 SW überhaupt fahren konnte. Das, was ich Dir hier beschreibe, ist brutale Realität. Eine völlig außer Kontrolle geratene Autofahrt auf der A27, der Stadtautobahn in Bremen.

Mein Auto rast wie in Trance von selbst. Irgendwie fährt es mich, aber nicht umgekehrt. Mein Fuß ist fest auf dem Gaspedal. 130, 140, 150 km/h, oder noch mehr. Jedenfalls zu schnell, denn nur 130 sind erlaubt. Tunnelartig ist mein Blick, ist nur noch fixiert auf die nächste Autobahnbrücke. „Brücken“, geht es mir durch den Kopf. Die rasenden Gedanken kreisen nur noch darum. Voll dagegen und dann ist endlich Schluss. An der ersten Brücke kommt mir ein Gedanke wie „Oh Sch…, da ist ja eine Leitplanke davor. Wie willst Du denn dagegen fahren? Das geht ja gar nicht.“ Und so rase ich weiter. „Nur Geduld, irgendwo muss es gehen.“ Aber was soll ich Dir sagen? An der nächsten Brücke sieht es nicht anders aus: Leitplanken, Leitplanken, Leitplanken. Ich werde ärgerlich und immer unkonzentrierter. Ich fahre in Schlangen-linie und wäre jetzt ein Fall für eine Polizeikontrolle. An der dritten Brücke sieht es natürlich nicht anders aus. Jetzt ist es auch im Kopf angekommen. „So ein Mist! Was mache ich denn jetzt? Warum müssen diese Idioten in Deutschland alles so perfekt machen?“ Mir kommt in dieser Stimmung natürlich nicht in den Sinn, dass es für alle Autofahrer ein Segen ist, dass dort Leitplanken sind.“

 

Der Apfelfaktor

„Schon seit vielen Jahren trieb mich die Frage um, warum ich beruflich nicht da war, wo ich sein wollte. Irgendetwas schien es immer wieder zu sabotieren.

Als diese Frage bei mir mal wieder hochgekommen ist, habe ich mit Barbara gesprochen. Sie gab mir daraufhin den Rat: „Die Antwort findest Du in Deiner Familiengeschichte“. Zuerst war ich darüber ein wenig ratlos. Familiengeschichte? Was soll das denn? Wie soll ich denn da jetzt weiterkommen und Antworten darauf finden? Ich habe das Ganze auf die Seite getan und wollte es schon abhaken. Mein Vater ist schon 1997 gestorben, meine Mutter 2014. Andere Verwandte aus meiner Familie, außer meiner Schwester, gibt es nicht mehr. Was für Antworten soll ich wohl dort bekommen?

Aber dann machte es plötzlich „Klick“. Sind da nicht Hunderte von Seiten Familiengeschichte im Schrank hinter mir? Ja richtig, die habe ich doch von meiner Mutter nach dem Tod meines Vaters bekommen. Und nie reingesehen. Ja, warum eigentlich? Die Ordner haben mehrere Umzüge hinter sich und waren immer noch ungelesen. Ich wollte irgendwann mit der Familiengeschichte nichts mehr zu tun haben und glaubte, genug zu wissen. Genug aufgearbeitet, genug Kriegs-geschichten, genug, genug …“

 

In Frieden mit den Eltern

 

„Bist Du im Frieden mit Deinen Eltern? Hast Du mit ihnen noch eine Rechnung offen? Glaubst Du, dass das so bleiben kann? Es irgendwie so laufen lassen kannst?

Ich sage Dir, dann wirst Du nie glücklich und erfolgreich sein können in deinem Leben. Nie, das garantiere ich Dir. Warum ist das so? Die Energie, die Dir Deine Eltern geben, ist die wichtigste Kraft, die Du im Leben haben kannst. Wenn diese Energiequelle abgeschnitten ist, wird Dir immer etwas im Leben fehlen. Es ist, als ob alle Energie in Dir blockiert ist. Und das ist auch so, auch wenn Du es bezweifelst oder es nicht glaubst.“